Es ist einer dieser Abende, an denen man schon beim Reingehen spürt, dass etwas Besonderes in der Luft liegt. Der Kellerraum des Neuen Schauspiels in Leipzig ist klein, warm, eng – und perfekt für einen Künstler wie Isaac Anderson, dessen Musik dann am stärksten wirkt, wenn man jedes Atmen hört und jede Zeile fühlt.
Ein Support, der ins Herz trifft
Ben Dolic eröffnet den Abend, und man merkt sofort: Seine Songs tragen Geschichten, die sich im Raum ausbreiten, ohne viel Anlauf zu brauchen. Er spricht über Mental Health, über die Wichtigkeit, Dinge auszusprechen – und die Reaktionen darauf sind ehrlich. „How I’m Feeling“ lässt Taschenlampen aufleuchten, Stimmen leise mitsingen und Augen glasig werden.
Zwischendurch zeigt Ben, dass er auch laut kann – sein Cover von „Mr. Brightside“ verwandelt den kleinen Raum kurz in ein einziges Springen und Schreien. Es ist der Moment, in dem klar ist: Das Publikum ist angekommen. Und bereit.
Isaac Anderson – nahbar, dankbar, intensiv
Mit „No More Days Alone“ betritt Isaac die Bühne – und sofort bricht die Mischung aus Euphorie und Vertrautheit über den Raum hinein. Er erzählt, dass er krank sei, bittet das Publikum, laut mitzusingen. Doch auf der Bühne merkt man nichts davon, dass er angeschlagen ist: Isaac liefert ab – konzentriert, warm, voller Energie.
Dass die Location für ihn einen besonderen Platz hat, wird schnell deutlich. „Vor zwei Jahren war ich schon mal hier“, sagt er – und man glaubt ihm sofort, dass dieser Ort ihm etwas bedeutet. „Hanging Up“ wird zum lauten Erinnerungsmoment. „Love in Conversation“ widmet er den Fans, die ihn seit den kleinen Livestreams begleiten.
Es sind solche Sätze, die zeigen, wie nahbar er ist: kein Abstand, kein Filter, nur jemand, der einfach froh ist, wieder hier zu sein.
Einer der emotionalsten Augenblicke entsteht, als Isaac das Mikro zur Seite legt und „Yesterday’s Cold“ komplett akustisch singt. Der Raum wird still, als hätte jemand eine Decke über alle gelegt. Nur Stimme, Atem, Gefühl und leises Mitsingen.
Davor gibt es kurz Chaos – Geburtstagsgrüße, ein spontanes „Happy Birthday“ auf Deutsch, das komplett auseinanderfällt und gerade deshalb für lautes Lachen sorgt.
Zwischen Nähe und Gänsehaut – wenn Emotionen den Raum übernehmen
Mit „Worst of You“ öffnet Isaac sich noch einmal besonders: Er erzählt von Zeiten, in denen nichts mehr ging, er sich verloren fühlte – und schrieb diesen Song, um sich selbst daran zu erinnern, dass es weitergeht. Fans halten „Wurst“-Schilder hoch, das Wortspiel bringt ihn zum Strahlen. Ein Moment, der so charmant ist, dass man ihn gern festhalten würde.
Spätestens bei „Feels Like Flying“ fällt jede Zurückhaltung. Die Menge springt, schreit, verliert sich in diesem warmen Chaos aus Energie und Euphorie. Und dann sagt Isaac einen Satz, der hängen bleibt: dass Deutschland das erste Land gewesen sei, in dem er das Gefühl hatte, musikalisch ernst genommen zu werden – als Künstler mit etwas zu erzählen. Dieser Satz senkt die Schultern der ganzen Crowd für einen Herzschlag lang. Es ist ein Danke, das ehrlich gemeint ist.
Als Isaac für die Zugabe zurück auf die Bühne kommt, bedankt er sich beim gesamten Team, für die tolle Arbeit. „Factory Reset“, einer seiner liebsten Songs der aktuellen EP wächst live zu etwas Größerem und bei den finalen Songs ist es, als würde der Raum einmal tief einatmen und alles rauslassen: die Müdigkeit, die Gedanken, die Kälte draußen. Nur springen, mitsingen, fühlen.
Als das Licht angeht, bleibt dieses typische Bild: Menschen, die sich anschauen und lächeln, weil sie wissen, dass sie gerade Teil eines dieser kleinen großen Abende waren. Ein Abend, der zeigt, warum Isaac Andersons Konzerte nicht einfach Gigs sind, sondern Momente, die bleiben.






