Ein lauer Sommerabend, bestuhlte Reihen und eine Arena voller Erwartung: Am 03. Juni 2026 verwandelte Calum Scott die QUARTERBACK Immobilien Arena in Leipzig in ein Meer aus Emotionen. Auf seiner „Avenoir“-Tour bewies der britische Superstar eindrucksvoll, dass er nicht nur die ganz großen Pop-Hymnen beherrscht, sondern sein Publikum im nächsten Moment tief im Herzen berühren kann. Zwischen Tränen in der „Crying Corner“ und ekstatischen Tanzeinlagen erlebten die Fans eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Die Anreise zur Arena gestaltete sich an diesem Sommertag denkbar entspannt – was nicht zuletzt an der Bestuhlung der Location lag, die von Anfang an für eine beinahe familiäre Atmosphäre sorgte. Das bunt gemischte Publikum, in dem vor allem Pärchen und Frauen mittleren Alters dominierten, wurde zunächst von zwei hochkarätigen Support-Acts auf Betriebstemperatur gebracht. Den Anfang machte Tammo Förster, Drittplatzierter von The Voice of Germany 2022. Allein mit Gitarre und Piano zog er die Zuhörer mit seinen ruhigen, intensiven Songs in den Bann. Dass er einst im The Voice-Finale ein Duett mit Calum Scott singen durfte, machte diesen Support-Slot zu einer runden Sache. Ihm folgte die britische Singer-Songwriterin Lusaint aus der Nähe von Manchester. Mit ihrer an Amy Winehouse erinnernden, rauchig-aschenen Stimme und genialen Akustik-Covern wie „Crazy“ (Gnarls Barkley) oder „Wicked Game“ (Chris Isaak) hatte sie die Arena im Sturm erobert und präsentierte ganz nebenbei ihre neue Single „Love bites back“ zum ersten Mal überhaupt live in einer Akustik-Version.
Herzschmerz und Gänsehaut in der „Crying Corner“
Nach einer kurzen Umbaupause war es schließlich so weit: Das Licht erlosch, die Band stimmte das epische „Avenoir“-Intro an und Calum Scott betrat unter tosendem Applaus die Bühne. Spätestens beim zweiten Song „Roots“ hielt es die Ersten kaum noch ruhig auf ihren Sitzen. Doch Calum hatte an diesem Abend noch ganz andere Pläne mit den Leipzigern. Nach wenigen Songs fiel ein weißer Vorhang, Streicherklänge setzten ein und kündigten den intimsten Teil des Abends an. „This part of the show is called the ‘crying corner’. Where you can cry your heart out, where you can feel what you feel, feel seen and valued“, erklärte der Sänger im glitzernden Jackett charmant.
Und das war nicht zu viel versprochen. Mit „No matter what“ leitete er eine Phase ein, in der sich wildfremde Menschen gerührt in den Armen lagen. Sichtlich bewegt teilte Calum seine persönliche Coming-Out-Story mit den Fans, sprach über die Ängste vor dem Release des Songs in Los Angeles und betonte unter lautem Jubel: „It’s so important for me to represent people that are not ready yet.“ Spätestens bei der herzzerreißenden Performance von „Gone“ und dem für sein zukünftiges Kind geschriebenen Song „Mad“ – umrahmt von brennenden Kerzen auf der Bühne – blieb in der Arena kaum ein Auge trocken. Den emotionalen Schlusspunkt dieses Blocks setzte ein virtuelles Duett mit der unvergessenen Stimme von Whitney Houston zu „I Wanna Dance with Somebody“ – eine liebevolle Hommage an den Musikgeschmack seiner Mutter.
Der Befreiungsschlag: Leipzig steht Kopf
Doch wer Calum Scott kennt, weiß, dass auf die Tränen die Party folgt. Der Vorhang verschwand und das Motto hieß: Zeit zu tanzen! Bei „Peripheral Vision“ und seiner aktuellen Single „Stay“ (die er eigentlich mit der deutschen Sängerin Leony performt) hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Die Arena verwandelte sich in eine riesige Tanzfläche. Beim Felix-Jaehn-Hit „Rain in Ibiza“ gab es kein Halten mehr: Calum mischte sich hautnah unters Volk, klatschte Fans ab und riss bei „Where are you now“ endgültig die Hütte ab – inklusive einer völlig unerwarteten, genialen Cover-Einlage von Linkin Parks „Numb“.
Dass der Brite extrem wandlungsfähig ist, bewies er kurz darauf mit einem echten Cowboyhut und seiner Backgroundsängerin an der Seite: Das Country-Duett „One more Drink“ verpasste der Halle eine ordentliche Portion Nashville-Vibe.
Ein Lichtermeer und ein Versprechen für die Zukunft
Zum großen Finale fuhr Scott noch einmal die ganz großen Geschütze auf. Nach dem epischen „Biblical“ griff er zum Mikrofon, streute immer wieder charmante deutsche Brocken wie „So schön!“ ein und bat das Publikum, die Handylichter zu entzünden, während über der Bühne eine gigantische Discokugel strahlte. Zu den Klängen von „Die For You“ und „Lighthouse“ verwandelte sich die QUARTERBACK Immobilien Arena in ein atemberaubendes Sternenmeer.
Nach lautstarken Zugabe-Rufen kehrte die Band mit „Rise“ zurück, bevor der absolute Gänsehaut-Moment des Abends folgte: „You Are the Reason“. Konfetti mit aufgedruckten Songtexten regnete auf die Fans herab, die den Refrain in ohrenbetäubender Lautstärke mitsangen. Vor dem finalen Welthit „Dancing on My Own“ fand ein sichtlich glücklicher Calum Scott noch einmal rührende Worte des Dankes: Er wisse, wie schwer die Zeiten aktuell seien und dass alles teurer werde. Umso mehr wisse er es zu schätzen, dass die Menschen ihr hart verdientes Geld für seine Show ausgegeben haben. „Deutschland ist wie ein Zuhause für mich“, versprach er unter tosendem Applaus und verließ die Bühne mit einem strahlenden Lächeln – und entließ ein zutiefst glückliches Publikum in die Leipziger Sommernacht.