Der Hof des Klosters Schiffenberg verwandelte sich am 20. August in eine Kulisse voller Emotionen. Schon in den frühen Morgenstunden warteten die ersten Fans geduldig vor den Toren, um sich die besten Plätze in der ersten Reihe zu sichern. Das Wetter spielte perfekt mit: Der Regen legte pünktlich eine Pause ein und bei strahlendem Sonnenschein sowie schattigen Plätzen auf dem Gelände stand einem grandiosen Abend nichts mehr im Weg. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt – die Gastrostände punkteten nicht nur mit leckerem Essen, sondern auch mit humorvollen Namen wie „Gyros Gott“ und „Der Pizza Pate“.
Norman Keil als perfekter Eisbrecher
Kurzfristig übernahm Norman Keil die Rolle des Support-Acts, nachdem er erst am Vorabend von seinem Glück erfahren hatte. Auf Instagram verriet der 45-jährige Erfurter, der sich aktuell selbst auf Tour befindet: „Ich habe selbst erst gestern einen total verrückten Spontananruf vom Veranstalter bekommen, ob ich super kurzfristig einspringen kann. Ich konnte es selbst kaum glauben und habe sofort meine Sachen gepackt!“ Die Chance wollte er sich keinesfalls entgehen lassen.
Alleine mit seiner Akustikgitarre eröffnete er sein Set mit dem Song „Klein, Fein, Daheim“. War das Publikum anfangs noch etwas skeptisch, brach das Eis erstaunlich schnell. Es wurde geklatscht, getanzt und mitgesungen. Norman verstand es glänzend, die Menge auf Betriebstemperatur zu bringen und die Stimmung für den Hauptact anzuheizen.
Startschuss für eine emotionale Achterbahnfahrt
Um Punkt 21:00 Uhr war es schließlich soweit: Unter ohrenbetäubendem Applaus betrat James Arthur mit seiner Band die Bühne. Er startete energiegeladen mit „Water“ von seinem aktuellen Album Pisces. Gleich danach begrüßte er das Publikum warmherzig: „Es ist mir eine Ehre, hier in Gießen zu sein. Ich schätze es sehr, dass ihr heute Abend bei uns seid. Ich hoffe, bei dem nächsten Song kann jeder mitsingen.“
Mit den ersten Akkorden von „Impossible“, seiner X-Factor-Gewinnersingle aus dem Jahr 2012, gab es im Publikum kein Halten mehr. Tausende Stimmen sangen wie aus einem Mund mit. Mit den folgenden Titeln „Sermon“, „Gucci“ und „Ready or Not“ brannte die Stimmung lichterloh, ehe es mit „Can I Be Him“ und „Empty Space“ etwas ruhiger wurde.
Vor dem Duett „Rewrite The Stars“ fragte James in die Runde, wer den Film „The Greatest Showman“ gesehen habe: „Ich schätze mich glücklich, ein Teil dieses Films gewesen zu sein.“ Gemeinsam mit seiner Backgroundsängerin, die mit einer unfassbar kraftvollen Stimme glänzte, sorgte er für den ersten großen Gänsehautmoment.
Technikpannen, Nähe und eine exklusive Premiere
Im Anschluss wurde es tiefgründiger: Mit „Cars Outside“ widmete James einen Song einem verstorbenen Freund. Selbst kleine technische Probleme brachten ihn dabei nicht aus der Ruhe – die Fans trugen ihn mühelos durch das Stück. Sympathisch zeigte er sich auch bei der Vorstellung seiner Band, indem er jedem Musiker Raum für ein Solo gab. Eine seltene Besonderheit: Sogar sein Vocal-Coach stand mit auf der Bühne und sang mit, was der Show eine wunderbar persönliche Note verlieh.
Vor „Naked“ animierte der Briten-Star die Menge mit einem Augenzwinkern: „Ihr könntet noch lauter sein! Schafft ihr das? Bei meinen Shows versuche ich immer, das Publikum zum Singen zu bringen, damit ich selbst nicht so viel singen muss!“ Das Publikum lachte – und erfüllte den Wunsch lautstark.
Nach einer kurzen Nachfrage ins Publikum, wer unter ADHS leidet, leitete er zum persönlichen Song „ADHD“ über. Direkt danach folgte das absolute Highlight des Abends: James präsentierte unveröffentlichtes Material und stellte seine kommende Single „Waste My Tears“ vor (Erscheinungstermin: 18. September). Das Publikum lauschte gebannt. Die ehrlichen Zeilen berührten so tief, dass bei einigen Fans die Tränen flossen – ein garantierter nächster Hit.
Vom Lichtermeer zum fulminanten Finale
Mit „Bitter Sweet Love“ wurde die Stimmung wieder lockerer und es durfte getanzt werden, bevor James mit „Train Wreck“ erneut für feuchte Augen sorgte: „Dieser Song ist für jeden hier im Publikum, der gerade eine schwierige Phase im Leben durchmacht.“ Genau das macht die Faszination von James Arthurs Musik aus: Er schafft es mühelos, selbst die härtesten Seelen im Innersten zu berühren.
Bei einem Cover von „A Thousand Years“ verwandelte sich der Hof des Klosters Schiffenberg ganz ohne Aufforderung in ein wunderschönes Lichtermeer aus Smartphone-Taschenlampen. Direkt im Anschluss wurde bei „Lasting Lover“, der gemeinsamen Single mit Sigala, wieder gesprungen, geklatscht und gefeiert.
Schließlich läutete der Singer-Songwriter das Finale ein: „Gießen, ihr wart ein fantastisches Publikum, vielen herzlichen Dank! Das ist ein wunderschöner Ort und ich hoffe, wir sehen uns eines Tages wieder.“
Zum großen Abschluss stimmte er seinen Welthit „Say You Won’t Let Go“ an. Zumindest versuchte er es – denn das Publikum stimmte so lautstark ein, dass James den Gesang spontan der Menge überließ und sichtlich gerührt einfach nur genoss. Erst danach sang er den Song noch einmal komplett durch. Ein unvergesslicher, hoch emotionaler Sommerabend auf dem Schiffenberg, der der Gießener Kulisse noch lange in Erinnerung bleiben wird.


