Der Kransaal im Feierwerk München füllt sich an diesem Abend nur langsam. Die Atmosphäre ist entspannt, Gespräche liegen in der Luft, niemand scheint es eilig zu haben. Als Supportact MYLLER die Bühne betritt, ist das Publikum noch zurückhaltend – doch genau das ändert sich im Laufe seines Sets spürbar.
MYLLER und „Hey Papa“ – leise Töne mit großer Wirkung
MYLLER steht allein mit seiner Gitarre auf der Bühne. Keine große Show, kein Band-Setup – nur er, seine Songs und eine spürbare Ehrlichkeit. Seine manchmal leicht unsichere, fast verwirrte Art wirkt nicht schwach, sondern sympathisch. Man merkt schnell: Hier versucht niemand, jemand anderes zu sein.
Besonders still wird es bei „Hey Papa“. Die neue Single des Sängers ist der wohl bedeutendste, persönlichste und emotionalste Titel, den MYLLER bisher veröffentlicht hat. Er handelt von psychischer Gewalt im Kindesalter, von einer ambivalenten Vater-Sohn-Beziehung und dem ständigen Abwägen jedes Wortes aus Angst vor Eskalation – und davon, wie sehr solche Erfahrungen Kinder prägen. Kein erhobener Zeigefinger, keine Überdramatisierung. Einfach ein Song, der hängen bleibt. Definitiv ein Song, bei dem man reinhören sollte!
Zwischendurch verteilt MYLLER Flyer mit QR-Codes, spricht über seine kommende Tour im Mai und bittet das Publikum ehrlich darum, sich einen Moment Zeit zu nehmen, um den Code zu scannen. „Es würde mir viel bedeuten“, sagt er – und man glaubt ihm jedes Wort. Mit „Zuhause“, einem Song über Selbstzweifel und den Blick in den Spiegel, holt er viele im Raum emotional ab.
Auch wenn MYLLER an diesem Abend leicht angeschlagen ist: Er überzeugt. Viele kannten ihn vorher nicht – danach wird noch viel über ihn gesprochen.
Luca Hänni: Tourfinale mit Herz und Haltung
Keine fünf Minuten nach dem letzten Ton des Supports gehen die Lichter aus. Rotes Licht flutet den Saal, das Intro startet – und dann ist Luca Hänni da. Mit „Love Me Better“ eröffnet er den Abend, direkt gefolgt von „Lighthouse“. Das Publikum ist sofort da, klatscht im Takt, singt mit. Trotz der überschaubaren Größe des Publikums fühlt sich nichts klein an. Im Gegenteil: Es ist eine ausgelassene, warme Party.
Luca erzählt, dass die Tour bereits im Herbst gestartet ist – mit Shows in der Schweiz, einer kurzen Winterpause und nun dem Abschluss in Deutschland, an diesem Abend in München. Die Stimmung? „Mega“, wie er selbst sagt. Ein kurzes 90s-Pop-Medley sorgt für seinen ganz persönlichen Britney-Moment, inklusive Augenzwinkern Richtung „Kinder der 90er“.
Zwischen den Songs wird nicht lange geredet, aber genau richtig viel. Luca ist humorvoll, macht Witze mit seiner Band und dem Publikum, ohne sich in langen Monologen zu verlieren. Stattdessen wird gesungen, getanzt und gefeiert. Er beweist, dass es keine riesige Bühnenshow braucht – Keyboarder, Gitarre, Licht und Präsenz reichen völlig aus, um diesen Raum zum Kochen zu bringen.
Die Setlist ist ausgewogen zwischen englischen und deutschen Songs. Zu „Diamant“ holt er einen tanzfreudigen Fan auf die Bühne, bei „Salsa ganze Nacht“ tanzt er selbst durchs Publikum. Immer wieder zeigt Luca, wie selbstverständlich ihm Bewegung und Musik zusammenfallen – ob mit Fans oder allein.
Leise Momente, große Emotionen
Nach dem „wilden Getanze“ wird es ruhiger. „Habt ihr Lust auf unplugged?“ fragt Luca und setzt sich auf einen Stuhl in der Mitte der Bühne. Es folgen reduzierte Versionen von „Wonderful“, Philipp Poisels „Eiserner Steg“ als liebevoller Throwback zur DSDS-Zeit und „Endless Summer“.
Besonders intensiv wird es bei „These Walls“. Luca kündigt seine neue Single als sehr persönlich an – über Gedanken, die sich anstauen, Dinge, die man nicht ausspricht, und das Gefühl, innerlich festzustecken. Die akustische Version mit Piano lässt den Saal still werden. Viele singen leise mit, die meisten hören einfach nur zu.
Später fragt Luca augenzwinkernd, wer ihn seit 2012 kennt und wer zum ersten Mal da ist – „nur für die Marktanalyse“. Dann erzählt er, wie jung er damals bei DSDS war und wie dankbar er ist, heute noch hier stehen zu dürfen. „Don’t Think About Me“ folgt als Piano-Jazz-Version – kaum wiederzuerkennen, aber voller Erinnerungen.
Vor „Dieser Moment“ wird Luca sentimental. Er spricht darüber, wieder mehr lernen zu wollen, im Moment zu leben – und darüber, wie sehr ihn das Papa-Sein verändert hat. Kleine Momente sind plötzlich die größten geworden.
Zum Finale wird noch einmal alles rausgelassen: „Bella Bella“, „Powder“ mit Lichtermeer und natürlich „She Got Me“, bei dem der Saal endgültig brennt. Luca geht durchs Publikum, bedankt sich, sucht Nähe – und genau das bleibt hängen. Als das Licht angeht, stehen viele noch zusammen, manche plaudern mit MYLLER am Merch-Stand. Eins ist klar: Dieser Abend war mehr als ein Tourabschluss. Es war ein ehrliches, nahbares Konzert mit viel Energie, Gefühl und dem schönen Gefühl, genau richtig gewesen zu sein.










